Prävention sexualisierter Gewalt
Kampf dem Patriarchat
Als Ursache und wesentlichen Grund für sexualisierte Gewalt sehen wir das patriarchale Geschlechterverhältnis. Zwar hat sich im letzten Jahrhundert viel an den Geschlechterverhältnissen in unserer Gesellschaft verändert – in den meisten Ländern der Welt sind Frauen und Männer heute rechtlich gleichgestellt; Frauen sind nicht mehr alleine zuständig für die reproduktive Arbeit; sexualisierte Gewalt wird in der Öffentlichkeit besprochen. Doch wir leben nach wie vor in einem patriarchalen Gesellschaftssystem, d. h. in einem System, das Menschen in zwei Geschlechter einordnet – Männer und Frauen – und Frauen strukturell benachteiligt. Im Patriarchat haben Frauen weniger Macht und Ressourcen als Männer. Ihnen wird die reproduktive gesellschaftliche Arbeit zugewiesen, diese geschlechtliche Arbeitsteilung wird durch Ehe und Familie institutionalisiert. Die Geschlechtertrennung und die patriarchalen Verhältnisse werden legitimiert, indem Männern und Frauen vermeintlich natürliche männliche und weibliche Eigenschaften zugeschrieben werden. Sexualisierte Gewalt ist ein zentraler Bestandteil des Patriarchats: Machtausübung in Form von sexualisierter Gewalt sichert die bestehenden patriarchalen Machtverhältnisse. Der Kampf gegen sexualisierte Gewalt bedeutet daher auch immer, sich gegen patriarchale Verhältnisse zu wenden – und umgekehrt.
Betroffenengerechtigkeit
Betroffenengerechtigkeit heißt für uns als Verband: Wir stellen bei sexualisierter Gewalt die Perspektive der Betroffenen in den Vordergrund. Wir wollen durch unsere Haltung und unser Handeln größtmögliche Gerechtigkeit für Betroffene herstellen. Betroffene sollen sicher sein können, dass sie ernst genommen werden, wenn sie sich aufgrund erfahrener sexualisierter Gewalt beim Verband melden.
Betroffenengerechtigkeit bedeutet auch, dass die Betroffenen bestimmen, welches Verhalten für sie sexualisierte Gewalt ist - denn was als sexualisierte Gewalt wahrgenommen wird, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
Außenstehende, die von Vorwürfen sexualisierter Gewalt erfahren, wollen häufig wissen, was “wirklich” passiert ist, forschen nach Gründen für oder nach Einzelheiten der Tat oder wollen die Unschuld der Person unter Verdacht beweisen. Dies stellt die Wahrnehmung der Betroffenen in Frage und ist ein wesentlicher Grund, warum es für viele Betroffene sexualisierter Gewalt sehr schwierig ist, jemandem vom Erlebten zu erzählen.
Wichtig ist, dass die Betroffenen nicht die Verantwortung für Konsequenzen tragen, die der Verband zieht. Dies kann zu Überforderung und im schlimmsten Fall dazu führen, dass Betroffene sich gar nicht erst melden. Entscheidungen über Interventionen müssen von den Verantwortlichen im Verband getroffen werden. Hierbei ist es wichtig, Betroffene in alle Entscheidungen und Prozesse einzubinden und diese möglichst im Sinne der Betroffenen zu gestalten.
Betroffenengerechtigkeit bedeutet für unsere Verbandspraxis, dass wir uns auf die Seite der betroffenen Menschen stellen. Dies bedeutet nicht, dass wir die Person unter Verdacht verurteilen. Wir als Verband sind nicht für die Aufklärung und die Ermittlung von Straftaten zuständig. Wenn uns Betroffene von erlebter sexualisierter Gewalt erzählen, glauben wir ihnen und ziehen als Verband Konsequenzen, die die Betroffenen schützen und mit denen wir uns klar gegen die Tat positionieren.
Orientiert an: Elisa Kassin & Holger Specht, inmedio
Personen, die sexualisierte Gewalt bei den Falken NRW beobachtet oder erlebt haben, haben mehrere Möglichkeiten dies zu melden:
per Mail oder Telefon an die zuständigen Ansprechpersonen → Team
anonym oder nicht anonym über das Formular (siehe unten)
Meldungen, die über das Formular eingehen werden ausschließlich von Marlene und Melina gelesen und bearbeitet.
Hilfe-Portal sexueller Missbrauch
Das Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch ist das zentrale Bundesportal zu Hilfsangeboten für Menschen, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexuelle Gewalt erlitten haben und deren Angehörige. Das Angebot richtet sich vorrangig an Erwachsene. Doch auch Kinder und Jugendliche finden hier Informationen, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Daneben bietet das Portal Informationen für Fachkräfte.
Hilfe-Telefon sexueller Missbrauch
Unter der Nummer 0800 22 55 530 ist das Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch montags, mittwochs und freitags von 9:00 bis 14:00 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 15:00 bis 20:00 Uhr bundesweit, kostenfrei und anonym erreichbar. Das Hilfe-Telefon ist eine Anlaufstelle für Menschen, die Entlastung, Beratung und Unterstützung suchen, die sich um ein Kind sorgen, die einen Verdacht oder ein "komisches Gefühl" haben, die unsicher sind und Fragen zum Thema stellen möchten.
Hilfe-Telefon Gewalt gegen Frauen
Frauen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, können sich bei all ihren Fragen unter der Nummer 0800 116 016 an das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" wenden. Das Hilfetelefon stellt auch den Kontakt zu Unterstützungseinrichtungen in der Nähe her. Verwandte, Freund*innen sowie Fachkräfte können sich ebenso beraten lassen.
Unser Grundsatz
Unsere Präventionsarbeit beruht auf dem Konzept der Betroffenengerechtigkeit. Das bedeutet, dass wir uns unterstützend an die Seite von Betroffenen stellen, wenn sie uns von sexualisierter Gewalt berichten, ohne ihre Aussagen in Zweifel zu ziehen. Unsere Aufgabe besteht darin, Schutz und Rahmenbedingungen zu schaffen, die verhindern, dass Betroffene von Unrecht erneut
verletzt werden. Dabei stehen die Bedürfnisse der betroffenen Personen im Mittelpunkt.
Diese Haltung kommunizieren wir nach Außen und nach Innen. In Arbeitsgruppen zum Thema sexualisierte Gewalt arbeiten wir fortlaufend an Präventions- und Interventionsstrategien und sorgen dafür, dass das Thema sowohl inner- als auch außerverbandlich an Bedeutung gewinnt. Entsprechend verstehen wir auch unser Schutzkonzept als einen fortlaufenden Prozess.
Gefährdungsanalyse
Die Grundlage unseres Schutzkonzepts bildet eine umfangreiche Gefährdungsanalyse. Hierbei werden die eigenen Strukturen kritisch hinterfragt und Risikofaktoren analysiert. Die Gefährdungsanalyse wurde in einer eigens eingerichteten Arbeitsgruppe aus Vertreter*innen des Landesvorstands und den Fachkräften für Prävention sexualisierter Gewalt durchgeführt.
Positionierung
Wir setzen uns klar für den Schutz vor sexualisierter Gewalt ein und kommunizieren dies nach Innen und nach Außen. Das bedeutet, dass wir eine Kultur der Achtsamkeit etablieren, die von allen gelebt wird. Hierfür braucht es Regeln zum Umgang miteinander. Diese gelten für alle Mitarbeiter*innen, Teilnhemer*innen und Gäste.
Aus- und Weiterbildung unserer haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen
Unsere haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen werden zum Thema Prävention sexualisierter Gewalt geschult und weitergebildet. Das ist wichtig, um das Schutzkonzept langfristig zu etablieren. Bei der Auswahl der Personen, die in unserem Verband tätig werden achten wir darauf, dass eine grundlegende Identifikation mit unseren Werten und ein Selbstverständnis zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor (sexualisierter) Gewalt vorliegt. Dazu gehört zu prüfen, dass zukünftige Mitarbeiter*innen nicht einschlägig vorbestraft sind.
Präventionsmaßnahmen
Präventionsarbeit passiert immer da, wo Menschen aufeinander treffen. Als feministischer, antirassistischer und selbstorganisierter Jugendverband liegt unser Anspruch darin, Kinder und Jugendliche zu ermächtigen, ihre eigenen Grenzen, Bedürfnisse und Interessen zu erkennen und zu vertreten. Nur wer Bescheid weiß, kann Bescheid sagen! Gleichzeitigt braucht es hierfür einen geschützten Rahmen. Durch gezielte Präventionsmaßnahmen wird dieser Rahmen abgesteckt. Das betrifft sowohl die analoge, als auch die digitale Welt.
Zuständigkeiten und Meldewege
Um eine größtmögliche Transparenz bezüglich des Schutzkonzeptes zu schaffen, sind Meldewege und Zuständigkeiten festgelegt worden. Personen, die etwas erlebt oder beobachtet haben, können sich über diese Wege melden. Meldungen werden nach dem 4-Augen-Prinzip entgegengenommen, sodass keine Meldungen verloren gehen können. Sollte es im weiteren Verlauf zu einem Interventionsverfahren kommen, kann das Vertrauensteam hinzugezogen werden. Das Vertrauensteam besteht aus den Fachkräften für Prävention sexualisierter Gewalt und Vertreter*innen aus dem Landesverband, die besonders geschult sind.
Vereinbarungen zum Umgang mit (Verdachts-)Fällen
Um den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen Sicherheit im Umgang mit (Verdachts-)Fällen sexualisierter Gewalt zu geben, wurde eine Interventionsplan erarbeitet. Dieser regelt ganz konkrete Schritte und Orientierungshilfen bei einem (Verdachts-)Fall. Hierbei sind Ansprechpersonen und Verantwortlichkeiten für eine Intervention festgeschrieben. Diese liegt bei unserem Vertrauensteam.

Materialien der AG PSG
Mein erstes Zeltlager: Mitmach-Buch
Das Bestreben zu einer freien, demokratischen und sozial gerechten Gesellschaft steht bei uns im Mittelpunkt. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sollen durch gelebte Partizipation die Chance erhalten, als mündige und kritische Persönlichkeiten aufzuwachsen. Sie werden gestärkt, ihre Anliegen und Wünsche zu formulieren sowie Ungerechtigkeiten oder grenzverletzendes Verhalten zu benennen.
Die AG PSG NRW hat ein Mitmachbuch entwickelt, welches ohne größeren Aufwand in der Arbeit mit F-Kindern genutzt werden kann – sei es in der Gruppenstunde oder im Zeltlager. Das Mitmachbuch kann kostenlos im Landesbüro bestellt werden. Die AG PSG steht euch für Fragen und Anregungen zur Verfügung. Einfach eine Mail an agpsg(at)falkennrw.de schreiben.
Als PDF gibt es das Mitmachbuch hier!
Schulungskonzept zur Vorbereitung auf das Sommerzeltlager
Für die Vorbereitung auf die Zeltlager und die grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Thema PSG und Schutzkonzepte, haben wir ein Schulungskonzept entwickelt, welches von Kollektiven, Haupt- und Ehrenamtlich eigenständig bearbeitet werden kann.
Das Konzept beinhaltet einen Ablaufplan, sowie 2 Präsentationen – eine zur Einführung in das Thema „Prävention sexualisierter Gewalt“ und eine zur Einführung in das Thema „Schutzkonzepte für Zeltlager“. Zur Erarbeitung des Schutzkonzepts stellen wir euch außerdem Hilfestellungen für die einzelnen Bausteine zur Verfügung. Ihr könnt das Schulungskonzept für eure Zeltlager-Vorbereitung nutzen. Alle Unterlagen sind zusammengefasst in einem Padlet.
Ansprechpersonen:

- 02323 49317 24
- 0155 60275469
- melina.kuechler(at)falkennrw.de